Vom Künstlertreff zur Braukultur
Das Batzen Häusl in Bozen ist weit mehr als nur ein Wirtshaus; es ist ein pulsierendes Denkmal Südtiroler Gastlichkeit.
Seit dem Jahr 1404 steht das Batzen Häusl an seinem Platz und wird seither ohne Unterbrechung als Wirtshaus geführt, was es zu einem der ältesten Betriebe Südtirols macht. Ursprünglich als Klosterschänke vom Deutschen Orden gegründet, profitierte das Haus von seiner strategischen Lage. Direkt beim heutigen Kreisverkehr (Löwengrube) befand sich einst der Zoll. Da das Batzen Häusl kurz vor dem Stadttor lag, genoss es den Status einer „Steuerfreizone“. Reisende und Fuhrleute kehrten hier ein, um für einen schmalen „Batzen“ (vier Kreuzer) Speis und Trank zu erstehen – ein Umstand, dem das Haus seinen Namen Batzen Häusl (italienisch: Cà de Bezzi) verdankt.
Im 19. Jahrhundert wandelte sich das Haus zum internationalen Künstlertreff. Berühmtheiten wie der Maler Franz von Defregger gehörten zu den Stammgästen. Der Wirt verköstigte die Künstler großzügig, die im Gegenzug mit ihren Werken bezahlten. So entstand im Laufe der Zeit eine Sammlung von über 200 Kunstschätzen. Viele davon sind auf Schloss Prösels aufbewahrt. Noch heute zeugen die vielen eingravierten Initialen in der Künstlerstube im zweiten Stock von der prominenten Gästeliste vergangener Tage.
Mit der Eröffnung des Batzen Bräu im Jahr 2012 kehrte das Handwerk in das historische Gemäuer zurück. Mit einer Jahresherstellung von rund 5.000 Hektolitern produziert Batzen Bräu in einem ganzen Jahr das, was große Industriebrauereien an einem einzigen Tag herstellen.
Basierend auf den 4 Grundelementen der Bierherstellung wie Wasser, Hopfen, Hefe und Malz werden hier unter Verwendung von hochwertigen regionalen Produkten verschiedene Biere von feinster Qualität hergestellt.
Kurz gesagt: Das Industriebier ist das Werkzeug (Durstlöscher), das Batzen-Bier ist das Werkstück (Genussmittel).
Heute ist das Batzen Häusl ein Ort, der Tradition und Moderne verbindet: Ein historischer Treffpunkt, der täglich von 11:00 Uhr bis 01:00 Uhr nachts (ohne Ruhetag) warme Küche bietet und mit seinen verschiedenen Eigenbieren die Südtiroler Wirtshauskultur in das 21. Jahrhundert trägt.
Ein herzliches Dankeschön an Braumeister Christian Pichler für die großartige Brauereiführung! Dank seiner Fachkenntnis und Präzision fühlen wir uns nun fast selbst wie kleine Biersommeliers und ein Dankeschön auch an Michaela MünsterRöggl für die Vermittlung dieser Führung.
Luise J. Pörnbacher
